Altarbild

Informationen zum Triptychon-Altarbild Ergste (1965) von Prof Hans Gottfried von Stockhausen

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Vielen Gottesdienstbesuchern ist das Altarbild unser Johannis-Kirche bekannt, doch wir wissen nur weniges über sein Entstehung. Zum Verständnis des Altars helfen einige sehr persönliche Gedanken des Künstlers Prof Hans Gottfried von Stockhausen (*1920 +2010), die er uns in einem Brief vom 12. März 2009 übermittelt hat. Ich hoffe dass seine Bilder und Gedanken dazu Vielen in unserer Kirche ein Licht und Freude auf ihrem Glaubensweg sind und sein werden.

„Besten Dank für Ihre Anfrage wegen des Altarbildes in Ergste. Alle brieflichen Unterlagen – die Korrespondenzen auch mit der Kirchengemeinde Ergste liegen im Archiv des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Also viele Details sind mir nicht mehr in der Erinnerung. In den vergangenen 45 Jahren ist zu viel entstanden. Sie finden auf unserer Homepage http://www.glasbild.com, u.a. das Werkverzeichnis meiner Glasmalereien und Literaturangaben. Über meine zahlreichen Antependien, Wandteppiche (u. a. Sprockhövel), Mosaike gibt es noch keine Literatur.

Damals bekam ich den Auftrag für dieses Altarbild, meines Erachtens im Zusammenhang mit einer Renovierung. ... Mir war diese Aufgabe sehr wichtig, weil ich mir seit meinen künstlerischen Anfängen immer wieder gewünscht habe einen Flügelaltar zu malen. Auch in den späten 60 Jahren entstand (1969/70) ein großes Altarbild in der Wandsbeker Christuskirche (http://www.christuskirche-wandsbek.de) – dort wo Matthias Claudius und auch Klopstock begraben ist. Dort ist es ein Kanzelaltar mit Christusmosaik, der nach dem Krieg sein barockes Altarbild verlor. Hier in Württemberg malte ich vor über 50 Jahren (in der in Michaelskirche) in Berkheim bei Esslingen am Neckar einen Flügelaltar – kurz nach dem Kriege.

Im Mittelteil des Ergster Altarbildes habe ich den Gekreuzigten in die Menge der Menschen gestellt, die offensichtlich fast gleichgültig – unbeteiligt dieses Geschehen „erleben“. Geburt und Ostermorgen – das leere Grab – alle diese Darstellungen wollen den Betrachter auffordern – „was hat das mit uns zu tuen“ – Geburt, Tod – Leben nach dem Tod – was ist das: Ist das alles selbstverständlich – oder will uns das jeweilige Geschehen – im Bild (im Sinnbild) etwas über Gott und den Menschen – Himmel und Erde Sichtbares und Unsichtbares sagen.

Welche Rolle spielt die Mutter mit dem Kind – gerade auch für uns evangelische Christen, die wir dieses Bild den Katholiken zuordnen und vergessen, dass es Martin Luther war, der in seinem Magnifikat – so Wunderbares und Grundsätzliches gesagt hat. Es geht wirklich auch für uns darum, dieses gestörte Bild der Mutter Maria neu zu entdecken. Es waren die Frauen – die nach dem Grab sahen und es leer fanden. Es waren die Mütter die trauerten auch unter dem Kreuz die Menschheit – dieses Bild des Sünders personifiziert, „provozieren“.

Dieses Ergster Altarbild trägt alle Züge der Zeit nach dem Kriege – den ich ja mit allen Facetten selbst erlebte. Stalingrad – 20. Juli – 5 Jahre Verwundung – 2 Jahre Gefangenschaft in Ägypten und das Überleben an sich. Was haben wir da überlebt. Hat uns das Nachdenklich gemacht. Nachdenklich im Wortsinn – oder hat uns das getrieben, was man Zukunft nennt. Oder, und das ist für mich das Bestimmende – die Frage ist Gegenwart – Vergangenheit in einem anderen Kleid. Oder aber – das Wichtigste – Gibt es grundsätzliche Dinge – in aller Zeit – eben das Bedürfnis. Die Notwendigkeit des Glaubens.

Wir erleben heute vielfach eine erschreckende Distanz zu solcherlei Glaubensfragen. Glauben scheint nicht mehr gesellschaftsfähig zu sein, man findet nicht mehr die richtigen Worte – und eben da ist für mich das Bild – ein Weg zum Wort – Sprache in der Wortlosigkeit – Anstoß zum Nachdenken – Hilfestellung zum Gebet. Auch ein solcher Kirchenraum soll – außerhalb des Gottesdienstes – ein Raum voller Sinn – ein Andachtsraum – ein Angebot zum Gebet sein.

Ich hoffe Ihnen mit den vielen Worten etwas Hilfestellung habe geben können.

Gesundheitlich bin ich im Augenblick nicht in der Lage zu reisen – ansonsten hätte ich angeboten – einmal zu kommen und in Ihrer Kirche etwas zu Ihrem Bild zu sagen.

Freuen würde ich mich Ihren beabsichtigen Gemeindebrief zu bekommen“

Weitere Informationen zum Werk und Künstler Hans Gottfried von Stockhausen finden sich in der Deutschen Nationalbibliothek, Germanischen Nationalmuseum oder im Internet unter

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Gottfried_von_Stockhausen

http://www.glasbild.com

Frank Pientka

   
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