Gemeindekonzeption

Vorwort

Wer sind wir? Wo sind wir? Wo gehen wir hin? - Die vorliegende Gemeindekonzeption versucht diese alten Pilger-Grundfragen für die Evangelische Kirchengemeinde Ergste zu beantworten.

Seit dem Jahr 2002 hat es in der Evangelischen Kirchengemeinde Ergste einschneidende Veränderungen hinsichtlich der personellen und finanziellen Möglichkeiten gegeben. Nach einer ersten Konsolidierungsphase hat das Presbyterium Ende 2008 eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, eine Gemeindekonzeption zu entwickeln. [1] Damit soll zum einen die „normale“ Entwicklung der Gemeinde möglichst transparent gestaltet und zum anderen die weitere Perspektive in den Blick genommen werden.

Mittlerweileerwarten auch Landeskirche und Kirchenkreis von jeder Kirchengemeinde, dass die eigene Arbeit und Ausrichtung mit Hilfe einer Konzeption reflektiert wird. Dazu hat die Landeskirche umfangreiches Arbeitsmaterial herausgegeben. Die Arbeitsgruppe unserer Kirchengemeinde hat sich in Bezug auf Leitfragen, Themen und die gesamte Struktur an diesem Material orientiert. So sind von der Arbeitsgruppe auf dieser Grundlage diverse Daten, Angebote und Erfahrungen zusammengetragen und ausgewertet worden.

Anschließend hat sich das Presbyterium mit den Ergebnissen beschäftigt. Im Februar 2010 folgte eine Veranstaltung mit Arbeitsgruppe, Presbyterium, Gemeindebeirat und interessierten Gemeindegliedern. Nach einer Auswertung in der Arbeitsgruppe ist die noch einmal überarbeitete Konzeption dem Presbyterium im Oktober 2010 zur Beschlussfassung vorgelegt worden.

Nicht nur das Leben ändert sich ständig, sondern auch die Rahmenbedingungen einer Kirchengemeinde. Deshalb versteht sich die vorliegende Konzeption als ein Punkt in einem Prozess, der weitergeht und regelmäßig neu zu reflektieren ist.



[1] Nach einer anfangs größeren Gruppe sind aktiv beteiligt gewesen: Birgit Tillmann, Thomas Gössling, Andreas Kaufmann, Rainer Malchow, Dr. Wolfgang Schneider, Uli Walter (als Moderator).

1. Allgemeine Ausgangspunkte - unsere Mittel und Ressourcen

1.1.          Ausgangssituation

Die Kirche befindet sich allgemein in einer komplizierten Situation. Mitgliederschwund, fehlende Kirchensteuereinnahmen, Strukturanpassungsprozesse und wegbrechende Handlungsfelder sind nur einige Stichworte in diesem Zusammenhang. Aber wie ist die konkrete Situation tatsächlich? In unserer Kirche wie in unserer Gesellschaft macht sich seit Jahren eine Gefühlslage breit, dass die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten immer enger werden. Dazu kommt eine depressive Stimmung, die aber mit dem christlichen Glauben unvereinbar ist.

Für die Zukunft wollen wir uns an Luther orientieren, der eine Stelle des Römer-Briefs (Röm 13,11) wie folgt auslegt: „Auf dem Wege Gottes stehen bleiben, das heißt so viel wie rückwärts schreiten, und vorwärts kommen, das heißt: immer wieder von neuem anfangen“.

Es geht also in Zukunft nicht darum, überall den Gürtel etwas enger zu schnallen bzw. an allen Ecken und Enden jedes Jahr immer ein wenig mehr zu sparen. Alle diese Bemühungen werden irgendwann ein Ende finden, spätestens dann, wenn es nichts mehr zu kürzen gibt, weil eine Gemeinde ihre ureigensten Aufgaben nicht mehr erfüllen kann und sich auflöst. Vielmehr muss ohne Angst vor Veränderungen nach neuen möglichen Wegen in die Zukunft gesucht werden.

Am Anfang der Konzeption steht eine Art Bestandsaufnahme, wie sich die Gemeinde eigentlich darstellt. Bei dem Blick nach vorne und den Impulsen für einen gangbaren, zukunftsorientierten Weg sollte keine „Spielwiese“ von gemeindefernen Theoretikern entfaltet werden, sondern Ziele und Ideen zur Umsetzung, die den Menschen in unserer Gemeinde angemessen sind. Deshalb haben neben der Zwischenauswertung des Presbyteriums die Vorschläge der diesbezüglichen Gemeindeveranstaltung im Februar 2010 eine große Rolle gespielt. [1]

1.2.          Gemeindekonzeption – generelle Ausgangspunkte

Warum überhaupt eine Gemeindekonzeption? Gibt es nicht schon genügend Papiere, Stellungnahmen und gute Ratschläge von unterschiedlichen Stellen, wie die Situation der Kirche zu verbessern ist?

Eine Gemeindekonzeption beschreibt, auf welche Weise die Gemeinde ihren biblischen Auftrag und ihre Dienste als Teil der Kirche Jesu Christi wahrnehmen will. Eine Gemeindekonzeption enthält im Rahmen einer ehrlichen und selbstkritischen Bestandsaufnahme die Beschreibung unserer gemeindlichen Wirklichkeit in dieser Zeit. Eine Gemeindekonzeption beschreibt auch, wie die Gemeinde ihren biblischen Auftrag und ihre Dienste in der besonderen gemeindlichen Situation aktuell lebt und zukünftig auch leben will.

Die evangelische Kirche in Deutschland hat seit vielen Jahren mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Die Kirchenaustritte betragen seit vielen Jahren etwa 1,0 % pro Jahr aller Mitglieder. Hier handelt es sich überwiegend um Menschen jüngeren bzw. mittleren Alters.

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Bevölkerung Deutschlands schrumpfen. D.h. die Kirchenmitglieder werden im Schnitt immer älter mit entsprechenden Auswirkungen auf die Anzahl der Gemeindeglieder.

Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands führte in den letzten Jahren zu Einschränkungen bei Löhnen und Gehältern. Die Steuerpolitik reduzierte zusätzlich die durchschnittlichen Steuersätze.

Alle diese Faktoren führen zu sinkenden Kirchensteuereinnahmen mit zunehmender Tendenz. Sinkende Kirchensteuereinnahmen führen aber zwangsläufig zu sinkenden Kirchensteuerzuweisungen bei den Gemeinden. Die wirtschaftliche Gesamtsituation wird den Trend noch beschleunigen.

1.3.          Gemeindekonzeption – Ausgangssituation der Gemeinde Ergste

Diese skizzierten Gründe führen natürlich auch in unserer Gemeinde zu erheblichen Veränderungen. Um allen Gemeindegliedern zunächst einen Überblick über die aktuelle Situation zu verschaffen, sollen verschiedene äußere Einflussfaktoren und die voraussichtliche Entwicklung aufgezeigt werden.

In unserer Gemeinde zeigten sich die beschriebenen Veränderungen folgendermaßen: 1975 betrug die Zahl der Gemeindeglieder 3.896. Sie sank bis zum Jahr 2000 auf 3.609 Mitglieder. Zum Jahresende 2006 betrug die Zahl der Gemeindeglieder nur noch 3.322. Somit sank die Zahl der Gemeindeglieder von 1975 bis 2007 um 574 Mitglieder bzw. 14,7% oder um ca. 0,5 % pro Jahr. Zum Vergleich: im Kirchenkreis Iserlohn sank die Mitgliederzahl der ev. Kirche um rund 25%, im Gebiet der EKvW bundesweit um ebenfalls ca. 25%. Insgesamt kann jedoch festgestellt werden, dass die Kirchenaustritte in den letzten Jahren deutlich rückläufig sind.[2]

Die negative Veränderung der Anzahl der evangelischenGemeindeglieder in Ergste ist ganz überwiegend auf Kirchenaustritte zurück zu führen. Die Gesamteinwohnerzahl in Ergste stieg von 6.375 in 1975 auf 7.327 in 2006, d.h. um 975 Einwohner bzw. 14,9%. Der Anteil der evangelischen Gemeindeglieder betrug 2006 45,3 %, der Anteil der katholischen Gemeindeglieder 29,5 %. Der Anteil derjenigen, die nicht einer der beiden christlichen Kirchen angehören, lag bei 25,2 %.[3]

Der demografische Wandel wird uns, beginnend in etwa 10 Jahren, verstärkt Probleme bereiten. So waren Ende 2006 rund 25% der Gemeindeglieder älter als 65 Jahre, und rund 50% waren älter als 46 Jahre.[4]

Die Kirchensteuerzuweisungen unserer Gemeinde sind in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen und werden weiter sinken. Sie betrugen in 2000 noch 253.000 €, im Jahr 2008 noch 203.000 € und sind im Jahr 2010 auf rund 192.00 € abgesunken.Bis 2015 erwarten wir einen schrittweisen Rückgang der Kirchensteuerzuweisung auf 180.000 €. Für das Jahr 2030 können wir nach landeskirchlicher Finanzschätzung noch mit rund 113.000 € rechnen, bei gleichzeitig steigenden Kosten.

1.4.          Wesentliche Ressourcen der Gemeinde

1.4.1.           Finanzielle Ressourcen

Wegen der gesunkenen Kirchensteuerzuweisungen wurde in den letzten Jahren ein Teil des vorhandenen Kirchen- bzw. Pfarrvermögens aufgezehrt. Zum 01.01.2000 betrug das Netto-Vermögen 455.919 €, zum 01.01.2008 nur noch 392.311 €.[5]Rund 200.000 € des Vermögens sind aufgrund kirchenrechtlicher Bestimmungen nicht frei verfügbar. Rund 90% des nicht verfügbaren Vermögens bestehen aus ca. 35 ha Wald und rund 10 ha Ackerland. Insbesondere die Stürme der letzten beiden Jahre haben die nur bescheidenen Walderträge der letzten 10 Jahre insgesamt auf Null gesetzt.

Die Gemeinde verfügt außerdem über mehrere Gebäude. Kirche, Gemeindehaus und Kindergarten werfen keinen Ertrag ab, sondern müssen zur Aufrechterhaltung ihrer Funktionen z.T. erheblich bezuschusst werden. Hinzu kommen hier die sogenannte Nebenkosten wie Heizung, Wasser, Versicherung usw. Mieterträge werfen das Alte Pfarrhaus und das Wohnhaus neben dem Kindergarten ab. Insgesamt sind die Aufwendungen jedoch höher als die Erträge, da bei Kirche und Gemeindehaus allein aufgrund ihrer Größe und Nutzung bestimmte Instandhaltungen und Heizkosten zwingend geboten sind.

1.4.2.           Personelle Ressourcen

Die Gemeinde ist Arbeitgeber für insgesamt 15 Mitarbeiter/innen: 1 Pfarrer, 1 Gemeindesekretärin (20 Std./Woche), 1 Kirchenmusiker (7,5 Std./Woche), 1 Hausmeisterin (30 Std./Woche) und im Kindergarten[6] 1 Leiterin und z.Zt. 8 pädagogische Kräfte mit durchschnittlich 30 Wochenstunden zuzüglich 1 pädagogische Kraft für integrative Arbeit, deren Kosten vom Landschaftsverband getragen werden.

In unserer Gemeinde finden wir eine breite Zustimmung bei vielen Gemeindegliedern, ehrenamtliche Aufgaben wahrzunehmen. Diese ehrenamtlichen Aufgaben werden regelmäßig übernommen, z.B. Küsterdienst, aber auch nach Bedarf, z.B. Bauüberwachung der Immobilien, die der Gemeinde gehören.

Pro Jahr werden überwiegend an örtliche Handwerksbetriebe Reparaturaufträge von ca. 25.000 € vergeben. Die Reparaturarbeiten werden von fachkompetenten Gemeindegliedern ausgeschrieben und überwacht.

Die Gemeinde hat z. Zt. einen ausgeglichenen Etat, was aber nur aufgrund erheblicher Einsparungen in den letzten Jahren möglich war. Hauptpositionen waren die Reduzierung von zwei Pfarrstellen auf eine seit dem 01.01.2008 und die Übernahme des Küsterdienstes durch ehrenamtliche Mitarbeiter. Allen Mitarbeitern ist die knappe Haushaltlage der Gemeinde bekannt.

Wir sind überzeugt, dass aufgrund unserer Maßnahmen und aufgrund des großen ehrenamtlichen Engagements unsere Gemeinde in den kommenden Jahren eigenständig bleiben wird und ein aktives Gemeindeleben gestalten kann.

1.4.3.           Sonstige Ressourcen

Zur finanziellen Unterstützung der Gemeindearbeit wurde 2003 die Johannis-Stiftung gegründet, die inzwischen jährlich einen ansehnlichen Betrag für geistliche Arbeit in der Gemeinde ausschüttet.

Im Jahr 2007 wurde außerdem der Bau- und Förderverein reaktiviert. Er kümmert sich insbesondere um Instandhaltungs-aufgaben bei Kirche und Gemeindehaus und hat bisher ebenfalls nennenswerte Beträge beigesteuert.

Wenn die Kirchengemeinde langfristig eigenständig bleiben will, werden Stiftung und Bau- und Förderverein mit ihren spürbaren finanziellen Anteilen zunehmend wichtiger.



[3]Dazu siehe Anlage 2:

[5]Dazu siehe Anlage 5:

[6] Ab dem 01.08.2009 im Trägerverbund des Kirchenkreises Iserlohn, siehe auch unter Punkt 5.10.

2. Evangelische Kirchengemeinde Ergste - Geographische Lage / Geschichte / Dorf

Die Evangelische Kirchengemeinde Ergste liegt auf dem Gebiet der Stadt Schwerte und umfasst den gesamten Stadtteil Ergste.

Im Rahmen der Kommunalreform von 1975 wurde Ergste, wie Westhofen, in die Stadt Schwerte eingemeindet. Die Kirchengemeinden (Ergste, Schwerte, Westhofen) haben jedoch nicht fusioniert, sondern sind eigenständig geblieben. Geblieben ist in den beiden kleinen Gemeinden ohne Frage auch ein gewisser Lokalpatriotismus.

Ergste ist südlich der Ruhr gelegen. Die Ruhr bildet zu Schwerte und teilweise Westhofen eine natürliche Grenze. Nach Nordosten, zum benachbarten Stadtteil Villigst, bilden der Elsebach und ein schmaler Grünstreifen die Grenze. Im südlichen Bereich zeichnen sich die Gemeinde- und Stadtteilgrenzen durch einen breiten Waldgürtel aus.

Das Gebiet des Amtes Ergste (Berchum, Hennen und Ergste) gehörte bis 1797 zur Grafschaft Limburg, danach zum Großherzogtum Berg. Aus dieser Zeit stammt das noch heute gültige Patronat der Ergster Pfarrstelle. Nach der französischen Herrschaft kam Limburg zu Preußen. 1817 wurde Ergste dem neu gegründeten Kreis Iserlohn zugeordnet.

In Ergste leben etwa 7.300 Einwohner auf einer Fläche von 1.900 ha (33 % des Schwerter Stadtgebiets). Zur Evangelischen Kirchengemeinde Ergste gehören zur Zeit ca. 3.200 Mitglieder. Die Stadt Schwerte – mit allen Ortsteilen – hat aktuell knapp 50.000 Einwohner und gehört kommunal zum Kreis Unna. Die beiden größten Arbeitgeber in Ergste sind das zur Zapp-Gruppe gehörende Stahlwerk Ergste und die JVA.

Entsprechend dem Patronat der Fürsten Bentheim-Tecklenburg ist Ergste ursprünglich eine reformierte Kirchengemeinde mit Heidelberger Katechismus gewesen. Der Wechsel zum lutherischen Bekenntnis, der später auch Folgen für die Gestaltung des Kirchraums hatte, wurde 1934/35 vollzogen. Über die Hintergründe und Abläufe sind leider keine Unterlagen erhalten.

Vor dem 2. Weltkrieg gab es das kleine Dorf Ergste und dazu den Bürenbruch und die Bauernschaft Reingsen. Nach dem 2. Weltkrieg ist die Ergster Bevölkerung deutlich gewachsen. Es hat neue Baugebiete und viel Zuzug geben. Durch die verkehrsgünstige Lage (wichtig war der Bau der Sauerlandlinie, A 45) hat sich Ergste zu einem attraktiven Wohnort entwickelt. Mittlerweile wohnen Berufstätige aus dem gesamten Ruhrgebiet in Ergste. Diese Vielfalt spiegelt sich seit etlichen Jahren auch in der Besetzung der Gemeindeleitung, des Presbyteriums, wider.

Landesweit bekannt wurde Ergste durch das Bürgerbegehren Elsebad. Die beispielhafte Zusammenarbeit vieler engagierter Personen führte dazu, dass mit Beharrlichkeit und Eigenarbeit ein altes Freibad gegen den Willen der Stadt in einen modernen Zustand gebracht und in einen Publikumsmagneten verwandelt wurde. Es gibt von Seiten der Kirchengemeinde zu sämtlichen Ergster Einrichtungen und Vereinen gute Beziehungen. Zu besonderen Anlässen finden Ökumenische Gottesdienste statt.

3. Unsere Situation

Etwa 45 % der in Ergste lebenden Menschen gehören der Evangelischen Kirchengemeinde Ergste an. Bezogen auf die Wohngebiete gibt es keine signifikanten Häufungen. 58% der Gemeindeglieder befinden sich im erwerbstätigen Alter, 17% sind jünger und 25 % älter. In der Gruppe der 36 – 64jährigen liegt der Anteil der Frauen mit 58 % deutlich über dem nahezu ausgewogenen Geschlechterverhältnis in der Gesamtbevölkerung des Ortsteiles.[1]

Im Jahr 2008 haben in unserer Gemeinde 38 verschiedene ehrenamtliche Aktivitäten[2] stattgefunden. Einige Gruppen treffen sich, um miteinander aktiv zu sein. Andere wirken als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Arbeitskreisen und organisieren Aktivitäten. Wieder andere bereichern unser Gemeindeleben durch ihre Tatkraft. Insgesamt sind so jährlich über 14.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer[3] am aktiven Gemeindeleben zu verzeichnen. Als gemeinde- und konfessionsübergreifende Gruppen werden hier auch folgende Angebote berücksichtigt: Johannis-Disco, Ü30-Disco, Kinderbibelwoche, Mutter-Kind-Gruppen, Ökumenischer Chor, Taizé-Chor und der CVJM. Nicht enthalten sind Projekte für Festveranstaltungen, wie z. B. Ökumenischer Weihnachtsmarkt undGemeindefest. Auch die Besucherzahlen unserer Gottesdienste sind nicht berücksichtigt worden. Eine Übersicht aller Kreise und Gruppen mit Ansprechpartnern ist der Konzeption beigefügt.[4]

Die Evangelische Kirchengemeinde Ergste zeichnet sich besonders durch diese Vielzahl der Angebote aus. In den oben genannten Gruppen wird organisatorische Verantwortung für Gemeindeaufgaben übernommen, geistliche Arbeit für verschiedene Altersgruppen gestaltet oder es werden Freizeitangebote organisiert. Unser Öffentlichkeitsorgan, der Gemeindebrief, erscheint viermal im Jahr mit einer Auflage von 2000 Exemplaren. Auch die Verteilung an die Gemeindeglieder wird von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern geleistet.

Eine Vernetzung der ehrenamtlichen Aktivitäten und der haupt- und nebenamtlichen Bereiche und Einrichtungen wird über den Gemeindebeirat ermöglicht, zu dem Vertreterinnen und Vertreter aller Gruppen, Kreise und Einrichtungen in unserer Gemeinde eingeladen sind. Seit Anfang 2007 findet der Gemeindebeirat regelmäßig statt und hat sich hervorragend etabliert. Die Treffen verbessern den Informationsfluss, tragen zu Problemlösungen bei und ermöglichen langfristig ein motiviertes Arbeiten. Der Gemeindebeirat ist damit ein wichtiges Gremium der lebendigen Gemeindearbeit und ein Bindeglied zur Gemeindeleitung, dem Presbyterium.



[2]  Dazu siehe Anlage 8:

[3]  Diese Zahl beinhaltet Mehrfachnennungen wie folgt: Eine Aktivität findet 10mal im Jahr
statt und jedes Mal wirken 20 Menschen mit. Dann liegt die jährliche Teilnehmerzahl bei 200 Menschen. Mehrfachnennungen sind alle Personen, die mehr als einmal teilgenommen haben. Natürlich können dieselben Menschen auch Teilnehmende anderer Aktivitäten sein und werden hier wiederum gezählt.

[4]  Dazu siehe Anlage 9:

4. Biblische Leitbilder

Die Bibel ist voller Bilder, mit denen Menschen ihr Miteinander und ihre Verbindung zu Gott ausdrücken. Die Arbeitsgruppe Gemeindekonzeption hat 6 solcher Bilder auf ihre Bezogenheit zu unserer Kirchengemeinde hin analysiert:
    • Wanderndes Gottesvolk à Aufbruch
    • Stadt Gottes à Sehnsucht
    • Leib Christi à Einheit in der Vielfalt
    • Gesandte Gottes à diakonisches Gespür
    • Licht der Erde à verkündigen und aufrütteln
    • Senfkorn à Reich Gottes entdecken

In der Bibel sind alle diese Bilder komplementär gedacht (z.B. wird ein Aufbruch ohne Sehnsucht nicht weit kommen und eine Verkündigung ohne diakonisches Gespür an den Menschen vorbei gehen). Auch in unserer Gemeinde haben alle Bilder ihren Ort und ergänzen sich gegenseitig. Bei der Frage nach dem faktischen Hauptbild wurde als Antwort durchgehend „Gemeinde als Leib Christi“ genannt.

Die Vielfalt ist eine der großen Stärken unserer Kirchengemeinde. Es gibt unterschiedliche Gruppen, Aktivitäten und Angebote. Auch im Rahmen von Kooperationen wird sehr vieles möglich gemacht. Antreiber für diese lebendige Vielfalt sind in der Regel die Menschen unserer Gemeinde. Es gibt keine gezielte inhaltliche Steuerung, sondern die ungeschriebene Leitlinie, engagierten Personen mit den von ihnen initiierten Projekten Raum zu geben.

Wenn es beim Bild der Gemeinde als Leib Christi eine schwierige Seite gibt, dann ist das bei uns die Einheit in der Vielfalt. Deshalb soll in unserer Gemeinde das Interesse an den Anderen und ihrer vielleicht anderen Art gestärkt, und dieWahrnehmung, Wertschätzungund Fähigkeit zu (selbst-)kritischer Kommunikation ausgebaut werden.An dieser Stelle setzt, bewusst langfristig, der Gemeindebeirat mit seiner wertvollen Vernetzungsarbeit an.

Eine Weite ohne Zentrum führt zur Beliebigkeit, ein Zentrum ohne Weite in die Enge. Wir haben in unserer Gemeinde eine Weite in den vielfältigen Angeboten und das Zentrum in dem Bereich Gottesdienst/geistliche Angebote. Allerdings – und darin zeigt sich unsere Kirchengemeinde als Gemeinde moderner Individuen– kann dieses Zentrum nicht als feste Größe, sondern nur als vielgestaltig beschrieben werden. Es gibt an ganz unterschiedlichen Stellen unserer Gemeinde – auch völlig unvermutet – das Interesse an einer religiösen Vergewisserung. Aber es gibt offensichtlich nicht mehr die eine für alle selbstverständliche Form und Atmosphäre (z.B. „normaler Gottesdienst“). Grundsätzlich ist es eine stetige Aufgabe, Weite und Zentrum miteinander in Beziehung zu halten.

Möglicherweise werden sich in Zukunft andere biblische Leitbilder in den Vordergrund schieben, die stärker nach der Sehnsucht der Menschen und den daraus entstehenden Aufgaben fragen.

5. Aufgaben der Kirchengemeinde / Zielvorstellungen

5.1.       Vorbemerkung

Die Arbeitsgruppe Gemeindekonzeption hat sich mit 8 „klassischen“ Aufgabenbereichen kirchlicher Gemeindearbeit auseinander gesetzt. Im Folgenden werden sie in gekürzter Form in ihrer Umsetzung für unsere Kirchengemeinde skizziert und teilweise mit Impulsen für die zukünftige Gemeindearbeit versehen. In sämtlichen Aufgabenbereichen kommt, auch wenn das nicht jeweils ausgeführt wird, die spezifische Ergster Situation zum Tragen, dass es sich um eine eher traditionelle Dorfgemeinde und gleichzeitig eine ausdifferenzierte Gemeinde moderner individueller Personen handelt.

5.2.       Den Menschen das Evangelium nahebringen

Die religiöse Prägung unserer Kirchengemeinde weist erhebliche Unterschiede auf. „Das Evangelium nahe bringen“ wird im Rahmen einer eher volkskirchlich geprägten „weltlichen“ Frömmigkeit anders verstanden als von Menschen, die sich im freieren Sinn regelmäßig Zeit für Meditation und Stille nehmen, oder von Menschen, deren Glaube eher als Jesusfrömmigkeit bezeichnet werden kann. Entsprechend unterschiedlich sehen die Erwartungen aus, die an die Kirchengemeinde gestellt werden:

Die Kirchengemeinde soll mit Gott verbinden – soll sozial aktiv sein –soll in Jesu Nachfolge rufen – soll politisch oder gerade nicht politisch sein –soll die Dimension des Heiligen ins Spiel bringen – soll Menschen helfen, ihrem Leben (auch in seiner Bezogenheit auf Gott) auf die Spur zu kommen – soll für Gerechtigkeit eintreten (aber was das bedeutet, bleibt umstritten) –soll mit Jesus konfrontieren – soll christliche Werte vermitteln – soll Raum und Zeit für Gott bieten – ...

Dies alles geschieht auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Räumen. Die „Kommunikation des Evangeliums“ ist eine vielfältige und vielgestaltige Angelegenheit und in freier Form im privaten Bereich ebenso verankert wie in unseren Gemeindegruppen und sonstigen Angeboten.

Die gemeindliche organisierte Form der Kommunikation des Evangeliums hat sich stark ausdifferenziert. Früher gab es den „normalen Gottesdienst“, der am Sonntag um 10 Uhr (oder 9.30 Uhr) stattfand. Es folgte als Ergänzung der „Familiengottesdienst“ mit einer moderneren Liedauswahl, unterschiedlichen Aktionen und dem Wegfall traditioneller liturgischer Elemente. Mittlerweile hat sich ein gottesdienstlich-geistliches Angebot etabliert, das trotz Reduzierung im Bereich der Pfarrstellen noch ausgebaut worden ist. Vom Gottesdienst für Kleine Leute bis zur Atempause, vom Gottesdienst im Elsebad bis zum Kontemplativen Wochenende, vom Glaubenskurs bis zur Osternacht, vom Tauf-Familiengottesdienst bis zumKonfi-Gottesdienst, vom Schul-Gottesdienst[1] bis zur Taizé-Andacht, von der Christmette bis zum Tauferinnerungs-Gottesdienst, vom Weltgebetstag der Frauen bis zu den Holy-Days-regional ... reicht neben dem normalen Sonntaggottesdienst die breite Angebotspalette.

Eingeladen waren und sind selbstverständlich immer alle, aber anwesend ist stets nur ein spezieller Ausschnitt der Gemeinde. Die Menschen kommen, wenn ihnen danach ist oder es ein besonderes Angebot gibt, aber nicht automatisch. Und sie kommen, wenn sie in ihren Augen zu Recht erwarten können, dass es ihnen gut tun wird. Tendenziell soll es stets etwas Besonderes sein, möchten die Menschen ganz individuell angesprochen werden und haben sie ihre unterschiedlichsten Vorstellungen von Musik, Atmosphäre, Inhalt, Raum und passender Zeit. Die Verbindung „Sonntagmorgen = Gottesdienst“ ist nur noch bei einer Minderheit anzutreffen. Wir haben regelmäßige Gottesdienstbesucher/innen, die einmal in 6 Wochen kommen. Vielleicht bemerkenswert, dass 2009 die beiden am besten besuchten Ostergottesdienste der Kindergarten-Ostergottesdienst und die Osternacht waren. Während solche und andere „Sonder-Gottesdienste“ neue Menschen aus unserer Gemeinde erreichen, gelingt das beim „normalen“ Gottesdienst nur spärlich.

Obwohl stets die grundsätzliche Offenheit betont wird, gibt es offensichtlich keinen Gottesdienst, der nicht faktisch ein Zielgruppen-Gottesdienst ist. Selbst Heilig Abend besuchen die Gemeindeglieder gezielt einen Familiengottesdienst mit Weihnachtsspiel, die Christvesper oder die Christmette. Die besonderen Gottesdienstangebote (in anderen Gemeinden als „2. Programm“ bezeichnet, bei uns entweder als „Familiengottesdienst“ oder direkt mit Sondertitel), die auch in Kooperation mit Personen, Einrichtungen und Gruppen durchgeführt werden, haben eine gute Akzeptanz und weisen einen guten Besuch auf. Der Weg einer noch weiteren Ausdifferenzierung stößt in unserer Gemeinde an inhaltliche und praktische Grenzen. Als sinnvolle Bereicherung sei an dieser Stelle der 2008 erstmals durchgeführte gemeinsame Reformations-Gottesdienst Ergste-Westhofen genannt.

Im Gottesdienstbuch[2] wird empfohlen, unter Wahrung der Grundstruktur variabel mit den gottesdienstlichen Elementen umzugehen. Wir sind der Überzeugung, dass Variabilität nur auf Grundlage einer guten und für alle nachvollziehbaren Normalform Sinn macht. Der Gottesdienstausschuss ist deshalb gebeten worden, die gottesdienstliche Normalform kritisch zu prüfen und behutsam durchzuarbeiten.[3]

Schon vor vielen Jahren wies der Kindergottesdienstverband darauf hin, dass Kindergottesdienst keine Kinderei ist, sondern ein vollwertiger Gottesdienst. Wir müssen uns heute Gedanken machen, wie der in der Gemeinde noch immer selbstverständliche Unterschied zwischen Hauptgottesdienst und dem Rest zugunsten einer Fülle gleichwertiger Gottesdienstangebote überwunden werden kann.

Wir dürfen uns nicht auf Handlungs- und Veränderungsstrategien fixieren, um doch den einen „Super-Gottesdienst“ zu kreieren, sondern müssen lernen, ohne Wertung die vorhandene Fülle wahrzunehmen und im Rahmen unserer Möglichkeiten zu gestalten. Wir sollten den Gemeindegliedern helfen, diese Fülle wahrzunehmen – und zu nutzen.

Bei allem Nachdenken über unsere gottesdienstlich-geistlichen Angebote dürfen wir die Grenzen der Machbarkeit nicht übersehen. Eine ruhige oder lebendige Gottesdienstatmosphäre mag einladend sein und gut tun. Aber um den Frieden Gottes und die von ihm geschenkte Kraft und Lebendigkeit können wir nur bitten. Produzieren können wir sie nicht.

5.3.       Rituelle und festliche Begleitung an den Eckpunkten des Lebens

In Bezug auf Taufe und Trauung wird gerne auf die große innere Entfernung zwischen den entsprechenden Menschen und dem kirchlichen Handeln hingewiesen. Die Erfahrungen in unserer Kirchengemeinde bestätigen das nicht. Es kommt niemand, um lediglich eine kirchliche Serviceleistung abzurufen. In der Regel machen sich die Personen an diesen besonderen Punkten sehr bewusst Gedanken über Gott und die Welt und das Leben. Und sie möchten diesen Punkt möglichst individuell und persönlich gestaltet haben. Das gilt übrigens auch für Jubiläumsgottesdienste. Generell haben die Amtshandlungen[4], dem gesellschaftlichen Trend entsprechend, vom Verständnis der teilnehmenden Hauptpersonen her die Tendenz zur Individualisierung und Privatisierung.

Die Art der Bindung an Gott, Kirche und Gemeinde hat sich verändert. Sie ist nicht mehr automatisch am Gottesdienstbesuch abzulesen. („Selbstverständlich glaube ich an Gott, aber dafür muss ich doch nicht ständig in die Kirche rennen.“) Alles, was mit Bindung an die Gemeinde oder Kirche zu tun hat, entscheiden die evangelischen Menschen nach ihren eigenen Vorstellungen. (Dies entspricht interessanterweise dem Leitbild einer zu entwickelnden individuellen Persönlichkeit in der Kindergartenkonzeption.) Als Bindeglied zur Gemeinde fungieren neben den besonderen Anlässen bestimmte Angebote (z.B. Heilig Abend Gottesdienst), Gruppen oder Personen (persönliche Beziehung). Der Pfarrer, der mich konfirmiert hat, soll mich trauen, meine Kinder taufen, ist meine Ansprechperson und zwar unabhängig davon, ob ich noch zu dieser Gemeinde gehöre oder nicht.[5]

Die Teilnahme am Kirchlichen Unterricht plus Konfirmation ist in unserer Kirchengemeinde ebenso die Regel wie die Wahl einer kirchlichen Bestattung.

5.4.       Seelsorge und Beratung

Die klassischen Geburtstagsbesuche des Pfarrers / der Pfarrerinsind nicht mehr in dem Umfang möglich wie vor 20 Jahren. Das hat mit der gestiegenen Zahl dieses Personenkreises zu tun, mit der Pfarrstellenkürzung und den ständig gewachsenen anderen Aufgaben.Eine Lösung (in Form einer „gemeindlichen Aufmerksamkeit“) könnte in der Einführung eines „Geburtstagsempfangs im Gemeindehaus“ liegen, der einen Trägerkreis benötigen würde und dann zwei- oder dreimal im Jahr stattfinden könnte.
Seelsorgerliche Gespräche– und darauf sollte der Schwerpunkt liegen - brauchen Ruhe und Zeit und können auf diese Weise keinesfalls ersetzt werden. Der Konzeptionsausschuss regt an, dass zu besonderen Geburtstagen (z.B. 18, 75, ab 80) grundsätzlich ein schriftlicher Gruß geschickt wird und der Pfarrer / die Pfarrerin zusätzlich im Rahmen der Möglichkeiten Seelsorgebesuche machen. Diese Möglichkeiten sind leider so begrenzt, dass selbst bei einer Reduzierung der Besuche auf die Jahre 80 und älter eine Auswahl getroffen werden muss und nicht alle Personen aufgesucht werden können.[6]

Über Diakonieausschuss, Bezirksfrauen, Neuzugezogenen-Besuchsdienst und auch den Kindergarten gibt es Besuche, Gespräche und Kontakte quer durch die Gemeinde. Gleichwohl wird tendenziell (je älter, desto deutlicher) der Besuch des Pfarrers / der Pfarrerin gewünscht (oder erwartet). Die Schwelle, sich diesbezüglich selber beim Pfarrer oder der Pfarrerin zu melden, ist recht hoch. Deshalb macht eine ausgeprägte Geh-Struktur Sinn (Krankenhaus, sämtliche Konfi-Eltern, Hinweise vom Besuchsdienst, „Trauer-Nachsorge“, usw). Trotz der hohen Schwelle ist die direkte Nachfrage nach seelsorgerlichen Gesprächen mit dem Pfarrer / der Pfarrerin oder nach geistlicher Begleitung in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Repräsentative Jubiläumsbesuche sind deshalb zugunsten von intensiven Einzelgesprächen deutlich reduziert worden. In Bezug auf den Pfarrdienst gibt es die schwierige Situation, dass die für diesen elementaren Bereich notwendige freie Zeit aufgrund anderer Aufgaben ständig fehlt.

Wo unsere gemeindlichen Kapazitäten an ihre Grenzen stoßen, verweisen wir gerne auf übergemeindliche Angebote in Schwerte (Beratungsstelle, Diakonie, thematische Gruppen, ...).

Es gibt auch in unserer Gemeinde kaum ein Haus, in dem die Menschen nicht „ihren Packen“ zu tragen haben. Sie tun dies in der Regel unbemerkt. Den Blick dafür zu öffnen, dass ich nicht der Einzige bin, der einiges zu tragen hat, wäre eine riesige und lohnende Aufgabe für die Gemeinde.

5.5.       Religiöse Bildung

Die Frage der religiösen Bildung spielt in vielen praktischen Bereichen des vielfältigen Gemeindelebens eine Rolle.

    • Im Evangelischen St.Johannis Kindergarten gehört die ganzheitlich verstandene Religiöse Bildung zu den Hauptsäulen der Konzeption. Selbstverständlich sind dabei neben den Kindern auch die Eltern im Blick.
    • Im Kirchlichen Unterricht wird auf unterschiedliche Weise der bereits vorhandenen Beziehung zu Gott nachgegangen. Diese wird dann mit kirchlich-biblischen Themen in Verbindung gesetzt.Die heranwachsenden Jugendlichen (Konfis) als eigenständige Personen ernst nehmen heißt allerdings auch, ihnen im Anschluss an diese Zeit ihren eigenen Weg zuzugestehen. Wir benötigen dann für später möglichst viele „Andock-Stationen“ zur Gemeinde. In den letzten 4 Jahren haben wir verstärkt Ex-Konfis als Teamer in diese Arbeit einbezogen. Das zum Kirchlichen Unterricht gehörende Konfi-Camp wird seit 2006 gemeinsam mit den Konfis und Mitarbeitenden aus Westhofen und Garenfeld durchgeführt und vom Jugendreferat des Kirchenkreises begleitet. Um den Jugendlichen auch nach der Konfi-Zeit ein „andocken“ zu erleichtern, gibt es seit dem Jahrgang 2009-2011 Aktionen Richtung Segensweg, Holy-Days-regional und eine Mitarbeit des CVJM.
    • Von den Gemeindegruppen kommen Themen zur Religiösen Bildung vor allem im Abend- und Männerkreis regelmäßig vor.[7]

Räume zu haben, in denen ich stressfrei und ohne ideologischen Druck meinem Glauben nachspüren kann, wird in Zukunft immer wichtiger werden. Genau das wird aber tendenziell der Kirche eher nicht zugetraut. Unsere Kirchengemeinde hat sich an dieser Stelle mit Glaubenskurs, Holy-Days-regional und kontemplativem Wochenende schon auf den Weg gemacht. Wenn es eine persönliche Beziehung gibt und eine Atmosphäre zu erwarten ist, in der meine Sehnsucht Raum haben darf, dann kommen Menschen und sind in der Regel außerordentlich dankbar für das Angebot.

5.6.       Diakonisches Handeln

Die organisierte Diakonie (Schwerte) wird an vielen Stellen von Gemeindegliedern genutzt (Grete-Meißner- Zentrum, Beratungsstelle, ambulante Pflege, usw). Sie wird aber nicht als Teil unserer Gemeinde verstanden, sondern als völlig eigenständige und nicht unbedingt kirchliche Größe.

Auf der persönlichen Ebene werden viele soziale und gemeinnützige Aktivitäten in Ergste und Schwerte unterstützt. Wenn die Sache gut ist, so die Überzeugung, muss es nicht evangelisch und kirchlich sein.

Es gibt in unserer Gemeinde viel diakonisches Handeln in Familie und Nachbarschaft. Das geschieht verlässlich und meistens unspektakulär. Was diesbezüglich von Seiten der Gemeinde an Hilfe möglich ist, wird vom Diakonieausschuss koordiniert (oder in Richtung Diakonie-Schwerte delegiert).

Das Thema Armut existiert auch in Ergste, obwohl es noch gut versteckt wird. Der Diakonieausschuss plant an dieser Stelle durch besondere Angebote aktiv zu werden.[8]

Unsere Gemeinde bietet Raum für Ideen engagierter Gemeindeglieder. Auf diesem Weg ist die Johannis-Disco entstanden, die sich mittlerweile regional und überregional als Disco für junge Menschen mit Beeinträchtigungen und deren Freunde fest etabliert hat.

5.7.       Gesellschaftliche Verantwortung und Weltverantwortung

Gesellschaftliche Verantwortung wird in unserer Kirchengemeinde primär als Verantwortung vor Ort verstanden. Die Kirchengemeinde ist diesbezüglich mit der Kommune im Gespräch (z.B. Stadtteilkonferenz), hat Kontakt zur örtlichen JVA, den Ergster Einrichtungen und Vereinen und unterstützt z.B. die Schwerter Tafel und das Hospiz.

Selbstverständlich beschäftigen sich auch aus unserer Gemeinde Personen intensiv mit dem Thema „Eine Welt“ und den politischen Dimensionen der christlichen Botschaft, wie sie etwa auf den Evangelischen Kirchentagen zum Tragen kommen. Aber es gibt keinen Eine-Welt- oder Kirchentags-Kreis. Die Tätigkeit der Arbeitsgruppe „Grüner Hahn“ hat zur Umweltzertifizierung geführt, ist allerdings nicht ohne Reibungsverluste abgelaufen.

Wir halten die alte, rein politisch verstandene, Trennlinie zwischen konservativer und progressiver Gemeindeausrichtung für überholt. Es geht nicht um sich gegenseitig ausschließende Alternativen (geistlich oder gesellschaftlich, rational oder emotional, …), sondern um wechselseitige Ergänzungen.

Der Brückenschlag zu den Partnerschaftskirchenkreisen im Kongo wird durch Kollekten regelmäßig in Erinnerung gerufen. Kirche und Menschen in einem völlig anderen Land, das heißt Bereicherung und Erdung. Eine Mitarbeit in entsprechenden kreiskirchlichen Gremien gibt es bislang nicht.

5.8.       Ökumenische Beziehungen

Der typisch Ergster Ortsbezogenheit entsprechend wird Ökumene primär als Ökumene vor Ort verstanden. Diese wiederum beinhaltet viele gemeinsame Aktionen vom Schul-Gottesdienst bis zur Kinder-Bibel-Woche. Der frühere evangelische und katholische Kirchenchor haben sich im Jahr 1997 zum Ökumenischen Chor zusammengeschlossen.Vieles läuft in Ergste wie selbstverständlich ökumenisch und wird in den regelmäßigen Gesprächen zwischen Presbyterium und Pfarrbezirksrat koordiniert.

Ökumene heißt für uns Zusammenarbeit von gleichwertigen Partnern. Das führt in Ergste zu gemeinsamen Projekten und Veranstaltungen. Bei allem Reden, Fragen und Tun geht es neben dem Miteinander um die Wertschätzung des eigenen Weges und gleichzeitig die Wertschätzung und den Respekt für den anderen Weg. Wo diese wertschätzende Balance aus dem Gleichgewicht rutscht, gerät die Ökumene in eine Sackgasse.

Im Bereich der Trauungen sind ökumenische Gottesdienste drastisch zurückgegangen. Die Brautpaare verständigen sich in der Regel schon im Vorfeld auf eine rein evangelische oder katholische Trauung.

5.9.       Priestertum aller Gläubigen

Es gibt in unserer Gemeinde viele und wertvolle Angebote, die nicht von Hauptamtlichen geleitet werden (Johannis-Disco, Glaubenskurs, Taizé, Grüner Hahn, Hauskreise, …). Die gesamte Arbeit der Johannis-Stiftung-Ergste, die mittlerweile regelmäßig Aktivitäten in unserer Gemeinde finanziell unterstützt, wird ehrenamtlich erbracht. Gleiches gilt für den Bau- und Förderverein.

Im Presbyterium liegt der Vorsitz seit April 2008 erstmals nicht bei einer hauptamtlichen Person. In der Praxis des Gemeindelebens bleibt trotzdem der Pfarrer / die Pfarrerin Hauptansprechpartner/in. Gleichwohl hat das Presbyterium mit dieser Entscheidung bewusst ein doppeltes Signal gesetzt: Der Arbeitsschwerpunkt im Pfarrdienst soll nicht in Verwaltungs- und Managementangelegenheiten liegen und die Menschen unserer Gemeinde müssen sich in den Bereichen, die ihnen wichtig sind, verstärkt selber engagieren.

Ohne den wertschätzenden Umgang könnte die in vielen Bereichen unserer Gemeinde selbstverständliche Teamarbeit nicht funktionieren. Ob bei der Vorbereitung von Konfi-Tagen oder Familien-Gottesdiensten, gerade aus dem Team heraus entstehen die wertvollen kreativen Ideen. Wobei auch im Team die Frage der Verantwortung geklärt sein muss.

Mit Blick auf die nächsten Jahre brauchen wir neue Personen, um bestehende Angebote zu halten und die Gemeinde weiterzuentwickeln. Eine offene Frage ist derzeit, auf welche Weise wir in Kontakt mit möglichen neuen Ehrenamtlichen kommen, die sich dauerhaft oder projektorientiert, als Beteiligte oder Leitende, als Fortführende oder „Neuanbieter“ bei uns engagieren können. Wir brauchen Ideen, um dieses Interesse speziell in die Personengruppe „55 plus“ zu kommunizieren.

5.10.   Evangelischer St. Johannis-Kindergarten-Ergste

Die Zusammenarbeit mit dem Evangelischen St. Johannis- Kindergarten Ergste ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Gemeindearbeit. Um die Arbeit der Tageseinrichtung für Kinder langfristig zu sichern und den Mitarbeiterinnen eine verlässliche Perspektive zu bieten, ist die Trägerschaft am 01.08.2009 an den Trägerverbund im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn übergeben worden. Die engeZusammenarbeit zwischen Tageseinrichtung und Kirchengemeinde bleibt davon unberührt.

Die Kirchengemeinde begleitet die religions- und gemeindepädagogische Arbeit in der Tageseinrichtung und beteiligt sich an der Weiterentwicklung der Konzeption. Die Kirchengemeinde nimmt an Elternversammlungen teil, am Rat der Tageseinrichtung und am Kindergartenjahresende an einer Gesamtteamsitzung. Die Kirchengemeinde führt regelmäßig Gespräche mit der Leitung der Tageseinrichtung.Die Tageseinrichtung für Kinder koordiniert die gemeindlichen Mutter-Kind-Gruppen, nimmt am Gemeindebeirat und Diakonieausschuss teil.

Die Kindergartenzeit der Kinder wird gottesdienstlich gerahmt (Begrüßungs- und Abschiedsgottesdienst). Es gibt regelmäßige „Gottesdienste für kleine Leute“ (für Kindergartenkinder und jünger), die mit Bezug auf den Kindergartenalltag und das Kirchenjahr gestaltet werden. Der Kindergarten gestaltet jährlich einen Familiengottesdienst. Daneben gibt es Zusammenarbeit bei der Ökumenischen Kinderbibelwoche, dem Gemeindefest und anderen Aktionen[9].

Der Evangelische St. Johannis Kindergarten Ergste bildet gemeinsam mit der städtischen Kindertageseinrichtung Regenbogen das Familienzentrum Ergste.[10] Nach Abschluss des umfangreichen Zertifizierungsverfahrens wird im Sommer 2010 mit der Zertifizierung gerechnet.

5.11.   Nachbemerkung

In unserer Gemeinde gibt es viel Freiheit, um Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Eine der wesentlichen Leitungsaufgaben wird darin bestehen, bei aller fortschreitender Individualisierung an einer Atmosphäre zu arbeiten, in der der Blick für das Ganze und die Wertschätzung der ganz Anderen ihren Ort haben.Und wir brauchen eine Atmosphäre, in der Menschen Mut finden, sich mit ihren Gaben in der Gemeinde einzubringen.



[1] Die regelmäßigen Schul-Gottesdienste werden mit der Evangelischen Grundschule Ergste jahrgangsweise gefeiert und mit der Schule an der Ruhr jahrgangsübergreifend.

[2]  Gottesdienst-Agende unserer Landeskirche.

[3] Das ist mittlerweile geschehen und hat u. a. zu einem aktualisierten Gesangbuch-Einleger geführt.

[4]Siehe dazu Anlage 10:

[5] Im Gegensatz zur katholischen Kirche, die mit dem Papst einen herausragenden Identifikationspunkt zu bieten hat, spielen auf evangelischer Seite die Erfahrungen mit der Ortsgemeinde eine größere Rolle.

[6] Mit der seit Mai 2010 vom Kirchenkreis neu zur Verfügung gestellten ½ Stelle eines Pfarrers im Entsendungsdienst konnte die Anzahl der diesbezüglichen Besuche deutlich erhöht werden. Auch die Besuche sämtlicher Konfi-Familien sind in dieser Konstellation möglich.

[7] Zu besonderen Themen und Anlässen wird selbstverständlich über die Kreise hinaus eingeladen.

[8] Es sei darauf hingewiesen, dass es neben der finanziellen noch ganz andere Dimensionen von Armut gibt, z. B. Beziehungsarmut, Armut an Fürsorge und Bildung. Mit Seniorencafé und geplanter Unterstützung für einfache Schulabschlüsse engagiert sich der Diakonieausschuss auch an dieser Stelle.

[9] Zum Beispiel Konfi-Aktkionen und Segenswegtag.

[10] Siehe dazu die Informationen unter www.familienzentrum-ergste.de

6. Die nächsten Schritte

6.1.       Öffentlichkeitsarbeit

„Wenn wir das gewusst hätten, wären wir auch gekommen.“ Derartige Kommentare sind regelmäßig zu hören, nachdem besondere Angebote und Aktionen stattgefunden haben. Ob die entsprechenden Personen tatsächlich den Weg in die Kirche, ins Gemeindehaus oder einen anderen Veranstaltungsort gefunden hätten, bleibt natürlich Spekulation. Unstrittig ist jedoch, dass bei den „nächsten Schritten“die Frage der Öffentlichkeitsarbeit erste Priorität haben sollte. Es fällt schon auf, dass die Zwischenauswertung des Presbyteriums und die Ergebnisse der Gemeindeveranstaltung zur Konzeption immer wieder auf diesen Punkt zurückkommen. Der Gemeindebrief erhält viel positive Resonanz, aber reicht offensichtlich nicht aus, um die Menschen unserer Gemeinde aktuell zu informieren. Dazu erscheint er mit 4 Ausgaben pro Jahr viel zu selten.

Neben einer Überprüfung des Gemeindebriefes[1] sollte ein Weg gefunden werden, auf dem rechtzeitig und verlässlich ausführliche Informationen zu den Angeboten unserer Kirchengemeinde an die Tagespresse, die örtlichen Wochenblätter, den Lokalrundfunk und das Lokalfernsehen gelangen. Vor Ort benötigen wir des Weiteren wiedererkennbare Einladungsformate für Schaukästen und Info-Wände. Wir sollten auch genauer klären, wen wir wozu einladen. Wenn immer alle eingeladen sind, fühlt sich heutzutage kaum jemand angesprochen. Auch die Möglichkeiten des Internet sind mit unserer Homepage noch nicht ausgeschöpft. Newsletter oder gezielte Einladungen und Infos per Email sollten heute Standard sein.

Neben dieser organisierten (geschäftlichen) Öffentlichkeitsarbeit gibt es die persönliche Ebene, durch die wir die Menschen unserer Gemeinde erreichen. Im Gemeindebeirat informieren sich die Gemeindegruppen gegenseitig und laden sich gegenseitig zu besonderen Veranstaltungen ein. Darüber hinaus sollten wir schlicht Mut machen, persönlich einzuladen und Menschen z. B. zum Gottesdienst mitzubringen.

Wenn sich in diesem Aufgabenbereich systematisch und nachhaltig etwas verbessern soll, dann müssen wir eine dafür zuständige Person benennen können, die sichtet, ordnet und Schritt für Schritt die Öffentlichkeitsarbeit weiterbringt.

6.2.       Geistliches Leben

Die Evangelische Kirchengemeinde Ergste muss sich keinen besonderen Schwerpunkt suchen. Sie hat ihn – und zwar im vielgestaltigen Bereich des geistlichen Lebens. Diesen Schwerpunkt gilt es weiterzuentwickeln, um den Menschen unserer Gemeinde „geistliche Andockstationen“ zu bieten. In Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen wird es auch in Zukunft wichtig sein, Raum für Projekte und Ideen zu bieten und Neues zu wagen.

6.3.       Ehrenamtliches Engagement

Unsere Gemeinde lebt davon, dass sich viele Ehrenamtliche engagiert einbringen, mitmachen und auch Leitung und Verantwortung übernehmen. Die meisten Kreise, Gruppen und Angebote könnten sonst nicht existieren. Wenn die Evangelische Kirchengemeinde Ergste auch in Zukunft eine attraktive eigenständige Größe sein will, muss „dieser Schatz“ gepflegt und in seinem steten Wandel begleitet werden. Auf Wunsch des Presbyteriums lässt sich für diese Aufgabe die Vorsitzende des Gemeindebeirates zur Ehrenamtskoordinatorin ausbilden.

Mittelfristig wird es in diesem Bereich die zentrale Aufgabe sein, Menschen zur Mitarbeit zu ermutigen und vielleicht auch neue Formen des ehrenamtlichen Engagements zu finden.

6.4.       Finanzielles Engagement

Im Zusammenhang mit den Stellenkürzungen im hauptamtlichen Bereich hat die Gemeinde lernen müssen, dass nicht mehr alles „von selber“ geht und verstärkt Eigeninitiative notwendig ist. Das gilt auch für den finanziellen Bereich. Schon heute leisten Johannis-Stiftung-Ergste und Bau- und Förderverein wichtige finanzielle Unterstützungen.

Zu einer aktiven Gemeinde gehört eine gewisse finanzielle Beweglichkeit. Die abnehmenden Kirchensteuerzuweisungen werden genau diese Gestaltungsmöglichkeiten drastisch einschränken. Um ein Mindestmaß an finanzieller Beweglichkeit zu erhalten, wird es notwendig sein, die kirchensteuerunabhängige Finanzierung der Gemeindearbeit durch die Johannis-Stiftung-Ergste und den Bau- und Fördervereins zu steigern und dazu deren Bedeutung besser zu kommunizieren.



[1]Zum Beispiel hinsichtlich der Erscheinungsweise, dem Format, dem Druck und der Finanzierung.

 

7. Schlussbemerkung

Wie bereits im Vorwort betont, handelt es sich bei der vorliegenden Konzeption nicht um einen Schlusspunkt, sondern um eine Zwischenstation. Sie versucht aus heutiger Sicht zu beschreiben, was ist und was dran ist. Das Presbyterium hat die Aufgabe, die Konzeption regelmäßig zu prüfen und zu aktualisieren. Spätestens nach Ablauf von drei Jahren sollte das jeweils erfolgen.

Hinweise, Anmerkungen und Anregungen aus der Kirchengemeinde sind jederzeit möglich und willkommen. Sie sind zu richten an:

à Gemeindebüro der Evangelischen Kirchengemeinde Ergste
- Presbyterium -
Auf dem Hilf 6
58239 Schwerte

à gemeindebuero@ev-kirche-ergste.de

Schwerte – Ergste, 05.10.2010

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